Informationen über die Asiatische Hornisse

Porträt der asiatischen Hornisse

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax), gerne auch „Gelbfuß-Hornisse“ genannt, stammt ursprünglich aus Südostasien und hat sich seit 2004 in Europa sehr stark
ausgebreitet. Sie ist eine gebietsfremde, invasive Art und steht besonders im Fokus von Naturschützern und Imkern, da sie eine ernsthafte Bedrohung für die Bienenhaltung, wie
auch für die einheimische Biodiversität darstellt. Jedoch können auch Winzer und Obstbauern Schäden durch diese Hornisse erleiden oder bei der Ernte durch Stiche große
gesundheitliche Probleme bekommen.

Merkmale:
Die Asiatische Hornisse erreicht eine Körperlänge von 17 bis 32 Millimetern und ist damit etwas kleiner als die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro). Ihr Körper ist überwiegend dunkelbraun bis schwarz gefärbt, auffällig sind die gelb-orangen Beine und das deutliche gelb-orangefarbene Band auf dem Hinterleib. Der Kopf zeigt eine deutlich gelbliche
Gesichtszeichnung.

Bild: Rainer Jahn

Wichtig! Die Art muss bestimmt sein, bevor Nester entfernt werden, denn die Nester der heimischen und geschützten Hornissen sehen zum Verwechseln ähnlich. Tiere können mit fast jedem Smartphone fotografiert und über Bestimmungs-Apps oder die Bilderkennung (z.B. Google Lens) identifiziert werden.

Verbreitung:
Die Asiatische Hornisse wurde vermutlich über den Warenverkehr aus China eingeschleppt und erstmals 2004 in Frankreich nachgewiesen. Seitdem hat sie sich über weite Teile Europas stark ausgebreitet, darunter auch in Deutschland mit dem ersten Nachweis im Jahre 2014. Es gibt auch einzelne Nestfunde, weit ab von der bisherigen Verbreitung, was eine Verschleppung durch den innereuropäischen Warenverkehr vermuten lässt. Jedenfalls
ergaben genetische Untersuchungen in Hamburg, dass es keine erneute Verschleppung aus Asien gab, sondern alle bisher untersuchten Nester von dem ursprünglichen Erstfund in
Frankreich abstammen. In ihrem sehr großen Ursprungsgebiet gibt es weitere Unterarten und Farbvarianten dieser Hornisse.

Lebensweise:
Die Vespa velutina baut, je nach Nahrungsangebot teilweise sehr große, freihängende Nester, die in verschiedensten Höhen von bis zu 30 Metern und mehr in Bäumen zu finden sind. Nester können sich aber auch in und an Gebäuden, in Hecken und Büschen befinden. In Hecken oder Büschen werden sie meist erst entdeckt, wenn man daran z.B. Pflegearbeiten durchführt. Anders als die der heimischen Hornisse sind ihre Nester nach unten geschlossen und weisen nur ein einziges kleines, seitlich gelegenes Einflugloch auf.
Die Kolonien entstehen im Frühjahr durch eine einzige überwinterte und begattete Jungkönigin und können im Sommer mehrere tausend Tiere umfassen.

Ernährung und Bedeutung für die Biodiversität:
Die erwachsenen Tiere der Asiatischen Hornisse decken, wie die der einheimischen Hornissenart, ihren Kohlenhydratbedarf über Blütennektar, Baumsäfte oder reifes Obst. Die vor allem für die Larven benötigte eiweißreiche Nahrung beschaffen sie sich durch Erbeuten von Insekten. Dabei jagt die Asiatische Hornisse neben Fliegen und Wespen bevorzugt Honigbienen, wenn sie Bienenstöcke entdeckt. Dies kann in stark betroffenen Gebieten
erhebliche Verluste in der Imkerei verursachen. Aber sie geht auch, im Gegensatz zur heimischen Hornisse, auch an Aas oder auch an Nahrungsmittel der Menschen, was in Frankreich schon zu massiven Belästigungen auf Märkten führte. Durch die sehr starke Verbreitung stellt sie potenziell eine große Gefahr für unsere Biodiversität dar. So ergaben erste Untersuchungen, dass manche Pflanzen bei häufiger Anwesenheit Asiatischer
Hornissen nicht mehr die bisherige Samenmenge produzieren können, weil die heimischen Bestäuber fehlen und verdrängt werden.


Gefahren für den Menschen:
Für Menschen stellt die Asiatische Hornisse in der Regel keine erhöhte Gefahr dar, solange sie sich nicht bedroht fühlt oder ihr Nest gestört wird. Bei Störung am Nest reagiert sie sofort und auch sehr massiv; Angriffe erfolgen ohne Vorwarnung. Es ist nicht unbedingt gefährlicher, einen Stich durch die Asiatische Hornisse als durch die heimische Hornisse zu bekommen, jedoch ist der Stachel etwa 6 mm lang und damit deutlich länger als der von der
heimischen Hornisse. Nach einem Stich sollte man sich dennoch von einem Allergologen untersuchen lassen, da sich nach dem Stich eines jeden neuen Insekts eine Insektengift-Allergie entwickeln kann. So wurden schon Fachberater von heimischen Insekten gestochen, worauf nichts passierte, aber ein einzelner Stich, durch die Asiatische Hornisse, einen Aufenthalt auf einer Intensivstation bescherte. Ab 10 Stichen kann es durchaus, zu
schwerwiegenden Gesundheitlichen Folgen kommen, da die Toxine im Blut so blutverdünnend wirken, dass es noch 14 Tage nach dem Stichereignis, es zu schweren Folgen kommen kann.
Daher ist eine erhöhte Stichanzahl dringen ärztlich zu überwachen.
Sollten Sie gestochen werden, deutet eine lokale Rötung oder Schwellung noch nicht unbedingt auf eine Allergie hin, zur Sicherheit gehen Sie dennoch zum Arzt. Bei einer sehr
schnellen und massiven systemischen Reaktion, die zu Schwindel, Schweißausbrüchen, Kribbeln am ganzen Körper, einer schweren Zunge, zu Atemnot, einer Bewusstseinstrübung
oder gar einer Bewusstlosigkeit führen kann, sollte sofort der Notarzt verständigt werden und auf die Insektenstiche hingewiesen werden. Warten Sie bei massiven Reaktionen nicht, ein anaphylaktischer Schock kann schwerwiegende Folgen haben.

Lebenszyklus der Asiatischen Hornisse:
Die überwinternde Jungkönigin ist teilweise bereits schon ab Februar unterwegs, um einen geeigneten Nistplatz zu finden. Die meisten Tennisball großen Nester findet man dann ab April. Die Königin baut meist tief und auch in geschützter Lage. Jedoch können die Nester an allen möglichen Stellen im Freien aber auch in und an Gebäuden angelegt werden.
Die Gründungsnester sind klein und können sehr leicht z.B. mit einem Honigglas mit Deckel entfernt werden und danach in der Tiefkühltruhe bei – 18°C in 24-48 Stunden abgetötet werden. Temperaturen von bis zu -12 ° Celsius stellen hingegen kein Problem für eine Königin dar. Auch Arbeiterinnen halten Temperaturen von einigen Grad Celsius unter 0 aus.

Das Gründungsnest wächst zunächst bis zu einer Größe eines Handballs heran. Haben die Tiere an dem Ort der Nestgründung nicht mehr genügend Platz oder ist er aus anderen Gründen für sie ungünstig, legen die Tiere ein Sekundär- oder Filialnest in einem Baum in der Nähe an. Ein Filialnest wird mit hoher Geschwindigkeit binnen weniger Tage angelegt und das alte Nest nach dem Umzug verlassen. Gründungsnester können aber auch weiter ausgebaut werden und am Ursprungsplatz bleiben. Auch ist der Umzug in ein neues Nest nicht genau zeitlich festzulegen. Meist ab Ende Juni/Anfang Juli ziehen die Hornissen um, jedoch gerade im Jahr 2025 konnte man vermehrt Nester finden, bei denen Ende August der Umzug noch nicht vollzogen war und sich das Filialnest in unmittelbarer Nähe noch im Aufbau befand.

Die Völker wachsen weiter rasant an und viele Nester nehmen imposante Größen im Verlauf des Sommers an. Während der Spätsommerphase kann man bereits Zellen mit Jungköniginnen und Drohnen für die nächste Generation in den Nestern finden. Da die Nester eine sehr dicke Nesthülle (3-4 cm) mit vielen Lufttaschen haben, können die Nester bis in den Winter hinein aktiv bleiben. Funde von fliegenden Tieren, noch im Dezember,
beweisen dies. So kann es selbst auf Weihnachtsmärkten zu Begegnungen mit der Asiatischen Hornisse kommen.
Eine geschlüpfte Königin wird nach dem Verlassen des Nestes von mehreren Drohnen begattet und sucht oftmals in der Nähe des Nestes eine Überwinterungsmöglichkeit.
Es kann bei sehr großen Nestern durchaus zu Volksstärken von bis zu 4000 Tieren gleichzeitig in einem Nest kommen und 1000 Jungköniginnen und mehr sind möglich.
Jedoch werden nicht alle Jungköniginnen ausreichend oder auch gar nicht begattet, je nach Witterungsverlauf. Und nicht alle Königinnen überleben den Winter. So können mehrere neue Nester aus einem Vorgängernest entstehen, meist in der Nähe des Nestes aus dem Vorjahr.
Sprunghafte Anstiege von Nestmeldungen sind darauf zurückzuführen, dass die Asiatische Hornisse immer mehr in den Fokus der Menschen gerückt ist und durch die Einführung von
Meldeportalen eine Möglichkeit zum Melden besteht.
Eine Entfernung sollte nicht eigenmächtig durchgeführt werden zu Ihrem eigenen Schutz und zum Schutz Unbeteiligter. Eine Beauftragung zu einer Nestentfernung sollte an fachlich
ausgebildete Personen erfolgen.

Dieses Video zeigt die Reaktion auf eine Annäherung an das Nest einer Asiatischen Hornisse.

Mit einem Glas mit Deckel können Anfangsnester nach der Artbestimmung selbstständig entfernt und durch gefrieren abgetötet werden.